Lessons for the Participants of
Cognitive-Cultic Work 1906–1924
GA 265a
8 February 1913, Bremen
Translated by Steiner Online Library
Letter from Baron Ferdinand Georg Friedrich von Wrangell to Rudolf Steiner
Hotel “Preussischer Hof”, February 8, 1913
Dear Dr. Steiner.
You have called upon us to “watch over” the newborn Anthroposophical Society, which is beset by enemies, and ensure that no harm befalls it. I believe I am acting in accordance with this instruction when I take the liberty of drawing your attention to a danger that threatens it from within. I will illustrate this danger with an example.
A Mr. Daeglau gave a lecture at the architects' house in which he provided evidence that “science” had misunderstood the nature of gravity. He claimed that there was hardly any attraction of bodies through the earth, but that the fall was caused by repulsion through the zodiac. In his explanations, he said some outrageous things as if they were well-known facts, such as that the direction of gravity is the same everywhere, that according to the laws of mechanics g = # would have to be if the mass of the earth were to be assumed to be infinitely large in relation to the mass of the falling body, and so on.
For anyone familiar with the fundamentals of physics, it was clear that one had before them a half-educated fantasist, but the majority of the ladies present and some of the gentlemen did not even have this modest knowledge. Since no objections were raised against the lecturer's assertions, such listeners could have been left with the impression that new proof had been provided of how foolish “science” is how far-sighted secret research is; and if they then carry this wisdom home in black and white (as some do) and occasionally share it with an outsider, the Anthroposophical Society, or more correctly Dr. Rudolf Steiner, can suffer as a result of such a fact, which is immediately generalized.
For one must always bear in mind that the Anthroposophical Society is not a society of equal members who have elected Dr. Rudolf Steiner as their chairman, but are actually and unequivocally the disciples of a man around whom they gather to learn facts from his mouth, the correctness of which they cannot verify because they lack the necessary sense for doing so. They can check the conclusions themselves, but they have to accept the facts on trust. This is the fundamental difference between secret research and science, which is based on the empirical facts of the five normal senses. In science, every normal person is able to check the premises on which a scientific proposition is based; in secret research, they are not. In science, to believe authorities is a sin against the fundamental principle of the same; in secret research, on the other hand, belief in the truthfulness and flawless observation of the only qualified secret researcher is a basic condition.
If, in the presence of the teacher, one of the students makes false assertions without being refuted, serious damage can result.
I understand very well the motives for which you, with regard to the lectures of your students (and these are all members of the Anthroposophical Society), pay homage to the principle “the more, the better”; but as a seminar leader who is concerned about the development of his students, seeks to involve all of them in the preparation of presentations, but only with the proviso that the mistakes made are corrected in the presence of those present, for their benefit and edification.
Now, even with your universal knowledge and inexhaustible capacity, it is not possible for you to go to all that trouble, but then it would have to be ensured that when a “weak student” wishes to speak, a fellow student well versed in the subject in question should be instructed to correct any, even very serious, lapses, such as those made by Mr. Daeglau.
Please excuse the length of these explanations, but I felt I had to draw attention to the danger that threatens your and consequently our cause if the attempts of your students to apply the facts communicated to us from the spiritual world to events in the physical plane are not controlled by the teacher himself but on his behalf by a competent party.
With sincere reverence,
Your humble servant,
Friedrich von Wrangel
Brief Von Baron Ferdinand Georg Friedrich Von Wrangell An Rudolf Steiner
vom 8. Februar 1913
Hotel «Preussischer Hof», 8. Februar 1913 Lieber Doktor Steiner.
Sie haben uns aufgefordert zu «wachen», dass der, von Feinden umlauerten, neugeborenen Anthroposophischen Gesellschaft kein Leid geschehe. Ich glaube im Sinne dieser Weisung zu handeln, wenn ich mir erlaube Sie auf eine Gefahr hinzuweisen, die ihr von innen heraus droht. Diese Gefahr will ich durch ein Beispiel illustrieren.
Ein Herr Daeglau hielt im Architektenhaus einen Vortrag in dem er den Nachweis führte, die «Wissenschaft» habe die Natur der Schwerkraft verkannt, es gäbe kaum Anziehung der Körper durch die Erde, sondern der Fall werde durch Abstoßung durch den Tierkreis bewirkt. In seinen Ausführungen sprach er manche ungeheuerliche Dinge aus, als seien sie allbekannte Tatsachen, wie zum Beispiel, dass die Richtung der Schwerkraft überall die gleiche sei, dass nach den Gesetzen der Mechanik g = # sein müsste, wenn die Masse der Erde unendlich groß anzunehmen sei im Verhältnis zur Masse des fallenden Körpers und so weiter.
Für jeden mit den Grundlagen der Physik bekannten war es ja klar, dass man einen halbgebildeten Phantasten vor sich hatte, aber die Mehrzahl der anwesenden Damen und manche Herren verfügen nicht einmal über dieses bescheidene Wissen. Da gegen die Behauptungen des Vortragenden keine Einwände erfolgten, konnten solche Zuhörer den Eindruck haben, es sei da ein neuer Beweis erbracht, wie töricht die «Wissenschaft», wie tiefblickend die Geheimforschung sei; und wenn sie dann diese Weisheit schwarz auf weiß heimtragen (wie manche es tun) und gelegentlich einem Außenstehenden mitteilen, so kann durch solch’ eine Tatsache, die sofort verallgemeinert wird, der Anthroposophischen Gesellschaft, richtiger gesagt Doktor Rudolf Steiner, Schaden daraus erwachsen.
Denn man muss sich doch immer vergegenwärtigen, dass die Anthroposophische Gesellschaft nicht eine Gesellschaft ist von gleichberechtigten Mitgliedern, die sich Herrn Doktor Rudolf Steiner zum Vorsitzenden gewählt haben, sondern es sind tatsächlich und unzweideutig Schüler eines Mannes, um den sie sich scharen, um aus seinem Munde Tatsachen zu erfahren, deren Richtigkeit sie nicht prüfen können, da ihnen der dazu erforderliche Sinn fehlt. Die Schlüsse daraus können sie zwar selbst prüfen, aber die Tatsachen müssen sie auf Treu und Glauben hinnehmen. Darin unterscheidet sich die Geheimforschung prinzipiell von der Wissenschaft, die auf Erfahrungstatsachen der fünf normalen Sinne beruht. In dieser Wissenschaft ist jeder normale Mensch befähigt, die Prämissen zu prüfen, auf denen ein wissenschaftlicher Satz beruht; - in der Geheimforschung ist er es nicht. In der Wissenschaft ist Autoritätenglauben eine Sünde gegen das Grundprinzip derselben; in der Geheimforschung dagegen ist der Glaube an die Wahrhaftigkeit und fehlerlose Beobachtung des allein befähigten Geheimforschers Grundbedingung.
Werden nun, in Gegenwart des Lehrers, von einem der Schüler falsche Behauptungen aufgestellt, ohne Widerlegung zu erfahren, so kann daraus ernsthafte Schädigung erwachsen.
Ich verstehe sehr wohl, aus welchen Motiven heraus Sie, bezüglich der Vorträge Ihrer Schüler (und das sind alle Mitglieder der Anthroposophischen Gesellschaft), dem Grundsatz huldigen «je mehr, je besser»; — wie aber ein auf Förderung seiner Schüler bedachter Leiter eines Seminars womöglich alle zum Ausarbeiten von Referaten heranzuziehen sucht, aber doch nur unter dem Vorbehalt die begangenen Fehler, in Gegenwart der Anwesenden, zu deren Nutz und Frommen, zu berichtigen.
Nun ist es ja selbst bei Ihrem universellen Wissen und unerschöpflicher Leistungsfähigkeit, nicht möglich, dass Sie sich auch noch dieser Mühe unterzögen, aber dann müsste dafür gesorgt werden, dass, wenn ein «schwacher Schüler» zur Sprache kommen will, ein in der betreffenden Disziplin bewandter Mitschüler beauftragt werde, etwaige gar zu schlimme Entgleisungen, wie zum Beispiel Herr Daeglau sie sich leistete, zurecht zu stellen.
Entschuldigen Sie die Länge dieser Ausführungen, aber ich glaubte auf die Gefahr aufmerksam machen zu müssen, die Ihrer und folglich unserer Sache droht, wenn die Versuche Ihrer Schüler die, aus der Geisteswelt uns mitgeteilten Tatsachen, auf Geschehnisse im physischen Plan anzuwenden, - nicht vom Lehrer selbst aber in seinem Auftrage von kompetenter Seite kontrolliert werden.
In aufrichtiger Verehrung
Ihr ergebener
Friedrich von Wrangel