Lessons for the Participants of
Cognitive-Cultic Work 1906–1924
GA 265a
28 July 1914, Basel
Translated by Steiner Online Library
Letter from Adolf Messmer to Marie von Sivers
Dear Miss von Sivers,
On calmly reflecting on everything I have experienced over the last two days, the question arises for me: “How did all this come about?” Without any action on my part, I received a telephone and written invitation to attend and participate in an event that I knew nothing about, but I sensed that it was something very high and noble, and that I desired at the bottom of my soul.
The invitation gives me the impression that it is really addressed to me, Adolf Messmer, and that there is no possibility of error.
I have not yet received the letter mentioned in the enclosed letter from Dr. Grosheintz, or rather its contents, which was sent to me in Rorschach by Miss von Sivers.
I was received in the room as if I were an invited guest, suspecting but not knowing what would happen next. I was not mistaken.
I had no idea that there was a more intimate connection than “E.S.” and “M.E.” is new to me.
I answer the three questions posed by our esteemed teacher and master to those of us seeking admission, if I may truly count myself among them, as best I can as follows:
I. I believe with all my heart in God the Father, in God the Son and in God the Holy Spirit.
II. I expect from the masters and those who know that they will give me and let me experience as much of their knowledge and truth as I can grasp according to the degree of my development, but also only as much as I can use for the benefit of my fellow human beings and myself according to the degree of my character. In this way, I hope to become a small instrument through which world thoughts can be helped to be translated into world deeds.
III. I consider it a great mercy and undeserved, unspeakable good fortune that I have such a future ahead of me and that I have the opportunity to come into the most intimate contact with such people.
Accordingly, I will keep everything entrusted to me in the strictest confidence and with the greatest of care, as is expected of me, and treat it with the utmost respect. I will endeavor to ascend by means of the hand held out to me, and to practice truthfulness in all my actions and thoughts. Unfortunately, I must admit that I still very often find myself in untruthfulness, but I have the honest will to become true.
I did not push myself forward. Without knowing how, my fate led me to yesterday's enlightenment for those seeking admission.
If you find me worthy and mature enough to be accepted into the M.E., I will be extremely pleased. If the opposite is the case, I will gladly wait and work modestly to become mature and worthy one day.
With sincere gratitude.
Adolf Messmer
Brief Von Adolf Messmer An Marie Von Sivers
Hochgechrtes Fräulein von Sivers!
Bei ruhigem Überlegen alles dessen, was ich in den letzten zwei Ta gen erlebt habe, drängt sich mir die Frage auf: «Wie kommt das alles so?» Ohne mein Zutun erhalte ich telefonische und schriftliche Einladung zum Beiwohnen und Teilnehmen an einem Akte, von dem ich nichts wusste, aber ahnte, dass es sich hier um etwas sehr Hohes, Erhabenes handelt, und das ich im Grunde meiner Seele wünschte.
Die Einladung macht auf mich den Eindruck, als sei sie wirklich an mich, Adolf Messmer gerichtet und sei ein Irrtum ausgeschlossen.
Von dem im beiliegenden Briefe der Frau Doktor Grosheintz erwähnten Schreiben, respektive dessen Inhalt, das von Fräulein von Sivers an mich nach Rorschach gesandt wurde, habe ich, weil noch nicht erhalten, keine Kenntnis.
Wohl ahnend, aber ohne zu wissen, was sich jetzt zutragen werde, empfängt man mich im Lokale wie einen Eingeladenen, also bin ich nicht im Irrtum gewesen.
Von einer intimeren Verbindung als «E.S.» hatte ich keine Ahnung, und die «M.E.» ist für mich neu.
Die uns Aufnahmesuchenden, wenn ich mich wirklich zu diesen zählen darf, von unserem hochgeschätzten Lehrer und Meister gestellten drei Fragen beantworte ich so gut ich kann folgendermaßen:
I. Ich glaube von ganzem Herzen an Gott den Vater, an Gott den Sohn und an Gott den Heiligen Geist.
II. Ich erwarte von den Meistern und Wissenden, dass sie mir nach Erkenntnis und Wahrheit-Verlangendem, so viel davon zukommen und erfahren lassen, als ich nach dem Grade meiner Entwicklung fassen kann, aber auch nur soviel, als ich nach dem Grade meines Charakters zum Wohle meiner Mitmenschen und mir selber verwende. Dadurch hoffe ich, ein kleines Werkzeug zu werden, durch welches mitgeholfen wird, Weltgedanken in Weltentaten umzusetzen.
III. Ich halte die Tatsache, dass mir eine solche Zukunft bevorsteht und dass ich Gelegenheit habe, in intimste Verbindung mit solchen Menschen zu kommen, für eine große Gnade und unverdientes, unaussprechliches Glück.
Demgemäß will ich alles mir Anvertraute so gut ich kann, wie es von mir erwartet wird, in Verschwiegenheit bewahren und mit meinen heiligsten Gefühlen umgeben. Ich will trachten, mit Hilfe der mir entgegengehaltenen Hand höher zu steigen und mein ganzes Tun und Denken wahrhaftig und ohne Falsch zu üben. Ich muss leider zugeben, dass ich mich noch sehr oft in Unwahrhaftigkeit ertappe, aber ich habe den ehrlichen Willen, wahr zu werden.
Ich habe mich nicht herzugedrängt. Ohne zu wissen wie, führte mich mein Schicksal in die gestrige Aufklärung für die Aufnahme-Begehrenden.
So Sie mich würdig und reif genug finden in die M.E. aufgenommen zu werden, so wird mich dies ungemein freuen, ist das Umgekehrte der Fall, so will ich gern bescheiden warten und arbeiten, dass ich doch einmal reif und würdig werde.
Im Gefühle aufrichtigster Dankbarkeit.
Adolf Messmer